Die neckermann.de GmbH – bis 31. Dezember 2005 Neckermann Versand AG – ist ein Versandhaus mit Sitz in Frankfurt am Main. Das in der Nachkriegszeit von Josef Neckermann gegründete Unternehmen wuchs in den 1950er und 60er Jahren zu einem Konzern heran. Der Werbeslogan „Neckermann macht's möglich“ wurde zu einem Synonym für das deutsche Wirtschaftswunder.
Neben dem Kerngeschäft trat der Universalversender auch als Reiseveranstalter auf, betrieb über zwei Jahrzehnte eine Warenhauskette und verkaufte unter anderem Einfamilienwohnhäuser, Versicherungen und Investmentfonds. Nach einer finanziellen Krise Mitte der 1970er Jahre wurde das Unternehmen 1977 von der Karstadt AG mehrheitlich übernommen und war bis November 2007 eine Tochtergesellschaft des Arcandor-Konzerns. Am 10. November 2007 wurde bekanntgegeben, dass Neckermann noch im selben Monat zu 51 Prozent an den US-Finanzinvestor Sun Capital Partners verkauft wird.
Der aus einer wohlhabenden Würzburger Unternehmerfamilie stammende Josef Neckermann war nach einer Banklehre 1931 in die väterliche Kohlenhandlung eingetreten. Im Zuge der „Arisierung“ jüdischer Firmen erwarb der Jungunternehmer 1935 von Siegmund Ruschkewitz dessen Textilkaufhaus in Würzburg sowie das Niedrigpreisgeschäft Merkur mit insgesamt 130 Angestellten sowie 60 Außendienstmitarbeitern. Der Kaufpreis lag weit unter Wert, doch vor dem Hintergrund der kurz zuvor erlassenen Nürnberger Gesetze blieb Ruschkewitz kaum eine andere Wahl, als am 25. Oktober 1935 seine Unterschrift unter den Kaufvertrag zu setzen. Ein drittes Warenhaus erwarb Neckermann mit dem Kaufhaus Vetter, ebenfalls in Würzburg ansässig und bereits durch den Vorbesitzer „arisiert“.
Durch die Übernahme eines weiteren im jüdischen Besitz befindlichen Unternehmens, der Wäschemanufaktur Karl Joel (welcher der Großvater des Pianisten und Sängers Billy Joel war), entstand 1937 die Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann. Das von Karl Amson Joel 1928 in Nürnberg gegründete und seit 1934 mit einem Versandzentrum auch in Berlin ansässige Unternehmen war seinerzeit der viertgrößte Textil-Versandhandel Deutschlands. Joel erhielt vom NSDAP-Mitglied Neckermann für die Übernahme nicht eine der als Kaufpreis vereinbarten 2,3 Millionen Reichsmark: Er musste, von Gestapo und SS verfolgt, über die Schweiz in die USA fliehen, und wurde erst 1957 nach einem langwierigen Wiedergutmachungsverfahren mit 2 Millionen DM entschädigt. Der „Kauf“ beinhaltete auch den Mietvertrag der Berliner Villa von Karl Joel, die Neckermann 1938 gemeinsam mit seiner Frau Annemarie bezog.
Josef Neckermann versuchte in den darauf folgenden Jahren, neben den Kaufhäusern und dem Versandhandel auch an staatliche Aufträge zu kommen. Ein erster wichtiger Kontakt Neckermanns war der zu Fritz Todt, der anlässlich des geplanten Westwalls zustande gekommen war. Auf die Aufträge der Organisation Todt des damaligen „Generalinspektors für Bauwesen“ hin lieferte Neckermann ab 1938 Wolldecken und Arbeitskleidung für die 100.000 Arbeiter. Daneben machte sich Neckermann in der NS-Zeit auch seine Bekanntschaft mit dem Textilfabrikanten Hans Kehrl zunutze, der ab 1934 Wirtschaftsbeauftragter des Führers und Reichskanzlers war.
Gemeinsam mit Hertie-Chef Georg Karg, der sein Warenhaus in den 1930er Jahren wie Neckermann durch „Arisierung“ begründet hatte, gründete Josef Neckermann Ende 1941 die Zentrallagergemeinschaft für Bekleidung (ZLG). Das als Gesellschaft des öffentlichen Rechts gegründete Unternehmen diente als Schnittstelle zwischen den „Bedarfsträgern“ staatlicher und militärischer Stellen und den Textilherstellern, so meldeten Wirtschaftsministerium und Wehrmacht ihren Bedarf an Kleidung an die ZLG, die daraufhin Aufträge an die Hersteller vergab. Dass die ZLG in dieser Funktion ein Monopol erreichte, verdankte Neckermann vor allem seiner Bekanntschaft mit Otto Ohlendorf, den er 1939 bei einer Betriebsbesichtigung kennen gelernt hatte, und der auch stiller Teilhaber an der ZLG war. Der SS-Sturmbannführer Ohlendorf war es auch, der Neckermann Informationen sowohl für Rohstoffbezugsquellen als auch über Transportmöglichkeiten verschaffen konnte. Die ZLG musste zwar alle Textilmanufakturen gleichberechtigt mit Aufträgen versorgen, doch Neckermann hatte so die Kontrolle über die Konkurrenz und schanzte seinen Unternehmen attraktive Bestellungen zu.
Nachdem Fritz Todt Anfang 1942 bei einem Flugzeugabsturz verunglückt war, wurde Albert Speer als neuer Reichsminister für Bewaffnung und Munition eingesetzt. Neckermann kontaktierte ihn umgehend und erhielt von ihm den Auftrag, Winteruniformen für die Wehrmacht zu entwerfen. Speer hatte die Idee, dass Neckermann seine Kollektion Hitler selbst zu dessen 53. Geburtstag im Führerhauptquartier Wolfsschanze präsentieren solle. Die Uniformen überzeugten, und Neckermann erhielt den Auftrag, im Sommer 2,5 Millionen Stück herzustellen, die für den Winter an der Ostfront benötigt wurden. Neckermann stieg unter Speer zum Leiter der Reichsstelle Kleidung auf.
Die Villa an der in Berliner Tannenbergallee war bei einem Bombenangriff im Dezember 1943 zerstört worden, die Familie zog daraufhin zu Annemarie Neckermanns Vater nach Rottach am Tegernsee. Josef Neckermann selbst wohnte im Jahr 1944 und in den letzten Kriegsmonaten 1945 im Berliner Hotel Adlon, und flüchtete erst Ende April, wenige Tage vor Kriegsende, zu seiner Familie an den Tegernsee.
Im Juni 1945 wandte er sich in München an Arthur Lange, seit 1941 Chef der Löwenbräu-Brauerei und von der amerikanischen Besatzungsmacht als neuer bayerischer Wirtschaftsminister eingesetzt, mit dem Anliegen, die verbliebenen Kleidungsbestände der ZLG in Bayern zu finden. Lange setzte Neckermann als „Leiter der Bayerischen Landesstelle für Textilwirtschaft“ ein und stellte ihm eine Dienstwohnung in Lochham zur Verfügung.
Nach dem Krieg waren die im Dritten Reich durch „Arisierung“ übernommen Betriebe gemäß Militärgesetz Nr. 52 von August 1945 in die Treuhandschaft des alliierten Kontrollrats gekommen, den neuen Inhabern wurde die Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit und der Zugriff auf deren Vermögen untersagt.
Trotz des Verbots versuchte Neckermann neben seiner Tätigkeit für das Wirtschaftsministerium, seine Geschäfte in Würzburg wieder aufzunehmen (seine Betriebe dort waren bei den Fliegerangriffen am 16. März allerdings bis auf das Modehaus Vetter zerbombt worden), sowie zwei Betriebe der ZLG unter seine Kontrolle zu bringen. Dafür wurde er von einem Militärgericht im Dezember 1945 wegen Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz zu einem Jahr Arbeitslager verurteilt. Rund die Hälfte seiner Haftzeit verbrachte der im Sommer 1946 an Tuberkulose erkrankte Neckermann in einem Krankenhaus. Die Genesungszeit wurde auf die Strafe angerechnet, Neckermann war Ende 1946 wieder gesund und ein freier Mann. Ein gesundheitlicher Rückschlag fesselte ihn Anfang 1947 nochmals für einige Monate ans Krankenbett.
In München fand auch der Entnazifizierungsprozess des Josef Neckermann statt, er endete am 3. Mai 1948. Neckermann verdankte es in erster Linie seinem Anwalt Rudolf Zorn, dass er in die Kategorie III der „Mitläufer“ des NS-Regimes eingestuft wurde und mit einer Geldbuße von 2.000 Mark davonkam. Sein Verhalten gegenüber den jüdischen „Geschäftspartnern“ – von einer Partnerschaft auf Augenhöhe konnte angesichts der Umstände und Neckermanns NSDAP-Parteibuch keine Rede sein – wurde als stets korrekt dargestellt.