Siehe auch: Geschichte des Wallis
Funde aus der Bronze- und der Eisenzeit am Lötschepass und dessen Aufstiegsweg über Kippel zeugen von einer frühen Bedeutung als Handelsweg. Ausgrabungen keltischer Brandgräber bei Kippel lassen auf eine vorrömische Besiedelung schliessen, im Oberwallis siedelten die keltischen Uberer. Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet des heutigen Wallis mit dem Lötschental und machten es zur römischen Provinz Vallis Poeninae (spätestens ab der Verwaltungsreform des Diokletian um 300 n. Chr. zusammengefasst mit Alpes Graiae als Alpes Graiae et Poeninae).
Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. überfielen immer wieder alamannische und burgundische Stämme Gallien, Raetia sowie das angrenzende Wallis. Im Jahr 277 schlugen die Römer die Alamannen bei Acaunus (dem heutigen Saint-Maurice). Im 4. Jahrhundert zogen die Römer mal gemeinsam mit den Burgunden gegen die verstärkt einfallenden Alamannen, mal gegen die Burgunden in den Kampf. Im Jahr 435 besiegte der römische Heerführer Flavius Aëtius in Belgica I die Burgunden. Im darauffolgenden Jahr wurde deren Reich von den mit den Römern verbündeten Hunnen und Herulern endgültig vernichtet. Die überlebenden Burgunden siedelten als Foederaten in Savoyen und dem Wallis. Nach dem Tod von Flavius Aëtius 454 endete die römische Herrschaft über das Wallis, das an die nun hier lebenden Burgunden fiel und bis 1032 in deren Besitz blieb. Burgund war seit der Eroberung durch die Franken 534 ein fränkisches Teilreich das nach der Fränkische Reichsteilung als Königreich Burgund fortbestand.
Die von den Franken bedrängten Alamannen in Süddeutschland besiedelten ab dem späten 6. Jahrhundert die Nordschweiz und drangen ab dem 8. Jahrhundert über den Gemmi- und den Lötschepass ins Wallis ein. Nach dem Niedergang der burgundischen Herrschaft kam es im 11. Jahrhundert zu einer raschen Alemannisierung des Oberwallis. Ihre Siedlungen sind ab dem frühen 11. Jahrhundert im Lötschental nachgewiesen (Giätrich bei Wiler nach Ausgrabungen von 1990). Überlieferungen nach verdrängten sie dabei ein im Lötschental heimisches Volk, die Schurten, von den fruchtbareren Siedlungsplätzen im Tal. Die Schurten mussten fortan in den kargen Bergwäldern auf der Schattenseite des Tals leben (im Obri Wald nahe Wiler wurden bei ebenjenen Ausgrabungen Reste einer Siedlung entdeckt) und wurden von den Alemannen für ihre Raubzüge gefürchtet.
Als 1033 das Königreich Burgund unterging, wurde das Wallis reichsunmittelbar und unterstand somit direkt dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. In der Folgezeit entwickelte sich im Wallis der Kleinadel. Das Lötschental gelangte in den Besitz der Herren von Turn. Im Jahr 1233 stiftete Gyrold von Turn die Pfarrei in Kippel, die erste und bis ins 19. Jahrhundert einzige Pfarrkirche des Tals.
Die Herren von Turn waren in zahlreiche Fehden verstrickt und rangen an der Seite des Hauses Savoyen gegen die Zähringer, die im Namen des Kaisers das Rektorat von Burgund ausübten (1127 bis 1218), um die Vorherrschaft im Wallis. Von zahllosen Auseinandersetzungen und Kriegen geschwächt, schlossen sich im 14. Jahrhundert Walliser Gemeinden zum Schutzbündnis der Zehnden zusammen und beriefen sich auf ihre Reichsunmittelbarkeit. Spätestens 1355 entstand der Bund der sieben Zenden, der aus den Orten Goms, Brig, Visp, Raron, Leuk (die fünf oberen Zehnden) sowie Siders und Sitten (untere Zehnden) bestand. Diese vertrieben die Herren von Turn und ihre savoyischen Verbündeten aus dem Oberwallis und eroberten in der Folgezeit auch das Unterwallis. Fortan verwalteten sie sich selbst und lösten sich im 16. Jahrhundert aus der Unterstellung unter den Bischof von Sitten. Nach der Vertreibung der Herren von Turn wurde auch das Lötschental politisch von den fünf oberen Walliser Zehnden abhängig.
Übliche Bezeichnungen für das Lötschental waren im Mittelalter Vallis Lyche (1233 urkundlich erwähnt), Lyech, Vallis Illiaca und Illiacensis superior.
Im 17. Jahrhundert begannen auf der Berner Seite des Lötschepasses die Arbeiten zum Ausbau als Fuhrweg. Im Auftrag des Hauptmanns Abraham von Graffenried sollte die nach ihm Grafenriedsche Strasse genannte Verbindung den Handel stärken. Allerdings scheiterte das Vorhaben an religiösen Unstimmigkeiten und früheren Auseinandersetzungen mit den sieben Zehnden, die ihre Zustimmung für den Weiterbau der Passstrasse auf ihrem Gebiet verweigerten. Die Berner Bevölkerung hatte im Januar 1528 per Volksentscheid den Übertritt zur Reformation beschlossen, das Wallis blieb katholisch. Dies führte ab 1536 zu kriegerischen Konflikten, nachdem Savoyen das Unterwallis an Bern verloren hatte und sich angesichts der Niederlage mit den sieben Zehnden verbündete. Als die Berner aus dem Wallis vertrieben waren, besetzten die sieben Zehnden das Unterwallis und stellten es unter ihre Verwaltung.
Im späten 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wütete die Pest im Wallis. Insbesondere in den Jahren 1578 und 1627 war auch das Lötschental betroffen, dessen Taleingang bei Gampel von Pestwachen abgeriegelt wurde.
Im Jahr 1790 kauften sich die Lötscher für 10'000 Kronen von den fünf oberen Zehnden frei, wurden reichsunmittelbar und gaben sich im Jahr 1795 eine eigene Verfassung. Nach der Niederlage der sieben Zehnden gegen Napoléon in der Phynschlacht 1799 wurde das Wallis von französischen Truppen besetzt. Nach einigen Jahren als Republik gliederten die Franzosen das Wallis 1810 als Département du Simplon in das napoleonische Reich ein. Nach dem Niedergang Napoléons erklärte das Wallis am 13. März 1814 seine Unabhängigkeit und trat im August des Jahres 1815 nach Beratungen des Wiener Kongresses als 20. Kanton der Schweiz bei.
Mit dem Beginn der Industrialisierung im Rhonetal im späten 19. Jahrhundert kehrten zahlreiche junge Lötscher ihrem Heimattal den Rücken, die Abwanderung konnte erst langsam durch den aufkommenden Tourismus und eine verbesserte Verkehrsanbindung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebremst werden. Die Talstrasse wurde schrittweise bis 1955 erbaut und verbindet seitdem das Rhonetal mit allen Gemeinden des Lötschentals.
Für die kurze Zeit der Bauarbeiten am Lötschbergtunnel zwischen 1907 bis 1913 blühte das Tal wirtschaftlich auf, tausende Wanderarbeiter bevölkerten Arbeitsbaracken rund um Goppenstein. Seit den 1950er Jahren ist der Tunnel durch die neu eingerichtete Autoverladung ein wichtiger Transitweg zwischen der Nordschweiz und dem Wallis und dementsprechend stark frequentiert. Mit dem Bau des Lötschbergbasistunnels wird die Verbindung durch das Lötschental zukünftig umgangen.
1898 löste sich Blatten als erste Kirchgemeinde vom Priorat Kippel, das bis dahin als Hauptort des Tales auch dessen zentraler Verwaltungssitz war. 1956 wurden Ferden und Wiler eine selbstständige Kirchgemeinde. Seit den 1970er Jahren ist das Lötschental verstärkt auf den Tourismus ausgerichtet, insbesondere auf Wintergäste.
In den Jahren 1993, 1996 und 1999 kam es im Lötschental zu grösseren Lawinenabgängen. Die Lawinen im Winter 1999 beschädigten oder zerstörten auf der Gletscheralp sowie im Weiler Ried bei Blatten einzelne Ökonomiegebäude, Alphütten und Wohnhäuser. Seither wurden weitere Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung sowie der Kommunikations- und Verkehrsverbindungen getroffen, unter anderem die Lawinenschutzdämme zwischen Kippel und Wiler sowie der Bau bzw. die Verlängerung von Strassengalerien.
Am 13. Dezember 2001 wurde das Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Gebiet, zu dem südliche und östliche Teile des Tals gehören, mit Beschluss des Welterbe-Komitees der UNESCO in die World Heritage List (UNESCO-Welterbe) aufgenommen. Seither stehen der Anengletscher und das Gletschervorfeld bis zur Fafleralp unter strengem Naturschutz.
Die Bewohner des Lötschentals lebten bis ins frühe 20. Jahrhundert fast ausschliesslich von der Land- und Viehwirtschaft, die vor allem in den Sommermonaten durch die Almbewirtschaftung betrieben werden konnte. Während die Ackerbewirtschaftung bis auf einige Jahre der Lebensmittelknappheit während des Zweiten Weltkriegs im Zuge des Plan Wahlen mehrheitlich verschwand, wird die Viehwirtschaft bis heute betrieben.
Die meisten Weide- und Ackerflächen liegen im Tal und an den sonnenzugewandten Hängen der Nordflanke. Hier werden vorwiegend Schafe, aber auch Rinder zur Milchwirtschaft gehalten, häufig die im Wallis typischen Eringerkühe. Dagegen ist die steile Südflanke weitgehend bewaldet und bietet nur an wenigen Stellen Weideflächen, vorwiegend für weniger anspruchsvolle Ziegen und Schafe.
Einen Nebenerwerb stellt die Holzwirtschaft dar, die gleichzeitig auch zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz genutzt wurde. Noch heute lassen sich insbesondere am Nordhang baumfreie Gefällsabschnitte erkennen, die einst zum Abtransport des Holzes benutzt wurden.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das abgeschiedene Tal von der Aussenwelt isoliert, auch weil der einst vielbegangene Lötschepass seine Bedeutung als transalpiner Handelsweg weitgehend eingebüsst hatte. Das karge Dasein der Bergbauern wirkte sich auf alle Lebensbereiche der Menschen aus und prägt bis heute das Bild des Tales. Die Menschen fertigten ihre Bedarfsgüter weitgehend in Eigenarbeit und fanden ein knappes Auskommen durch die Bewirtschaftung der Bergweiden, jedoch waren Hunger und Elend keine Seltenheit. In dieser Atmosphäre entwickelte sich eine strenge, fromme und autarke Talgemeinschaft. Immer wieder kehrten vor allem junge Lötscher ihrem Tal den Rücken, um im Rhonetal ihr Auskommen zu suchen. Im 20. Jahrhundert, vor dem Ausbau der Talstrasse, begann eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung des Tales.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert fanden einige Lötscher Anstellung in Blei-, Silber- und Anthrazitminen, die im unteren Tal bei Goppenstein und Mittal von englischen Minengesellschaften errichtet wurden. Um die Rohstoffe abtransportieren zu können, bauten sie den bisherigen Fussweg von Gampel nach Goppenstein zu einem Fuhrweg aus, das obere Tal blieb jedoch weiterhin nur zu Fuss erreichbar.
Nach der Erstbesteigung des Hockenhorns durch den Engländer Arthur Thomas Malkin im Jahr 1840 begannen zunächst vor allem britische Alpinisten sich für das Tal zu interessieren. Nach dem Bau des ersten Hotels in Ried 1868 stellten sich die Lötscher zögerlich auf den langsam aufkommenden Tourismus ein. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sich einige fortschrittliche Vereine, darunter eine Theater- und Musikgesellschaft in Ferden.
Der Bau des Lötschbergtunnels von 1906 bis 1913, dessen Südportal bei Goppenstein liegt, brachte das erste Mal eine grosse Zahl an Arbeitsplätzen und fremde Arbeiter in das Tal. Neben Goppenstein profitierten auch die anderen Orte des Tals von dem Projekt. Es wurden Hotels gegründet, die Menschen richteten sich auf die Bedürfnisse der Gastarbeiter ein und öffneten sich talfremden Einflüssen. Seit der Fertigstellung des Tunnels verfügt das Lötschental mit dem Bahnhof in Goppenstein über eine Bahnanbindung.
Zunehmend fanden Lötscher auch Anstellungen in Fabriken im Rhonetal, wo die Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert einsetzte. Im Jahr 1898 wurde in Gampel die Lonza AG gegründet, die zunächst mit dem Wasser der Lonza Strom erzeugte und einigen Dutzend Talbewohnern Arbeit bot.
Nach zwölf Jahren Bauzeit konnte 1939 eine Strassenverbindung von Gampel nach Ferden in Betrieb genommen werden. Bis 1953 wurde die Strasse nach Wiler, bis 1954 nach Blatten erweitert. Somit war das Tal mit Autos und Postauto vom Rhonetal aus erreichbar, den Einheimischen bot sich die Chance, als Pendler ausserhalb des Tales zu arbeiten. Mit der besseren Verkehrsanbindung setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine verstärkte Ausrichtung auf den Tourismus ein, der bald zahlreiche Arbeitsplätze schuf. Den Talbewohnern bot sich so eine Perspektive in ihrer Heimat, so dass der Bevölkerungsrückgang gestoppt werden konnte.
Die Talstrasse wurde ab den 1980er Jahren weiter ausgebaut und mit zahlreichen Galerien und Tunnel versehen, so dass sie ganzjährig befahrbar ist. Der 1985 errichtete Mittal-Tunnel umgeht den engen und steilen Abschnitt des unteren Lötschentals zwischen Gampel und Goppenstein und führt zwischen Hohtenn und Goppenstein 4,2 Kilometer durch den Berghang des Hohgleifen. Insbesondere der Ausbau der Zufahrt bis Goppenstein war durch das hohe Verkehrsaufkommen zum dortigen Autoverladebahnhof nötig geworden.
Seit 1975 wird das Tal weitgehend mit dem Strom des Lonza-Stausees versorgt, der die Lonza auf einer Länge von rund zwei Kilometern aufstaut.
Der Tourismus des Lötschentals hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert, als britische Alpinisten das Tal für sich entdeckten und erste Hotels gegründet wurden (das erste 1868 in Ried). In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Kippel zu einem beliebten Standort für Touristenherbergen. Noch heute bestehen einige Hotels aus der Zeit der Jahrhundertwende. Allerdings blieb das insbesondere im Winter schlecht erreichbare Tal bis zum Ausbau der Talstrasse in der Mitte des 20. Jahrhunderts für den Breitentourismus kaum erschlossen. Mit der Talstrasse begann auch der Fremdenverkehr aufzuleben; kamen anfangs vorwiegend Sommergäste, so änderte sich dies mit dem Ausbau der Wintersportmöglichkeiten in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit wurde die Lauchernalp oberhalb von Wiler zu einem Wintersportzentrum ausgebaut. Erreichbar mit der 1972 eingeweihten Luftseilbahn, bot das Skigebiet zahlreiche Pisten und neu errichtete Liftanlagen. 2003 wurde das Wintersportgebiet Lauchernalp um die Gletscherbahn auf den Hockenhorngrat in 3111 Meter Höhe erweitert und ist damit das fünfthöchste Skisportgebiet der Schweiz.
Die zahlreichen Hotels und Ferienwohnungen in den Orten des Tals verzeichnen jährlich 150'000 bis 200'000 Logiernächte, davon zwei Drittel in der Wintersaison. Daneben bestehen in Kippel und an der Fafleralp zwei Campingplätze.
Das Lötschental verfügt über rund 200 Kilometer ausgebaute Wander- und Bergpfade. Der bekannteste ist der Lötschentaler Höhenweg, der alle an der Nordflanke gelegenen Alpen verbindet und seinen Ausgangspunkt an der Luftseilbahnstation der Lauchernalp hat. Von der Fafleralp aus sind Gletschertouren über den Anengletscher möglich.
1994/95 wurde zuhinderst im Lötschental auf 2'355 m ü. M. die Anenhütte mit 50 Uebernachtungsplätzen erbaut. Sie wurde jeweils vom März bis Oktober für Berg- und Skitouren z.B. auf das Mittaghorn und über die Lötschenlücke benutzt. Am 3. März 2007 wurde die Hütte durch eine heftige Staublawine restlos zerstört. Im Sommer 2008 wurde bereits wieder eine neue Hütte gebaut, welche im September 2008 eröffnet wird.