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Kultur und Brauchtum

Im Lötschental leben heute rund 1500 Bewohner, die vorwiegend von den alemannischen Walsern abstammen. Die Bevölkerungszahlen des Tals sind in den letzten Jahrhunderten nur unterdurchschnittlich angestiegen. Seit dem 18. Jahrhundert, als rund 800 Menschen im Tal lebten, fand lediglich eine Verdopplung der Einwohnerzahl statt. Dies hat seine Ursache in der räumlichen Begrenztheit des Tales, Hungersnöten und einer starken Abwanderung gerade junger Lötscher. Während diese sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit meist als Wanderarbeiter und Söldner verdingten, zog es sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert in die Arbeitsquartiere des Rhonetals.

Das Leben der Talschaft wurde bis ins 19. Jahrhundert von der althergebrachten Talordnung bestimmt. In Zeiten der Selbstverwaltung berieten die Abgesandten der Dorfschaften bei Versammlungen in Kippel über die Politik im Tal. Unterstand das Tal auswärtigen Herren, so wurde es meist von Verwaltern regiert. Daneben hatte die Pfarrei in Kippel einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklungen im Tal.

In dem seit jeher abgeschiedenen Lötschental blieben zahlreiche archaisch anmutende Bräuche und Traditionen der hier siedelnden Walser erhalten, die ansonsten nur noch in wenigen isolierten Tälern der Alpen zu finden sind. Bei Trachten, Dialekt und Bräuchen sind zahlreiche Unterschiede selbst zu naheliegenden Gemeinden des Rhonetals zu erkennen.

Bis in die Gegenwart wird von den Einwohnern Walliserdeutsch, ein höchstalemannischer Dialekt gesprochen. Viele althergebrachte, auf heidnische alemannische Rituale zurückgehende Bräuche sind in das Leben der überwiegend katholischen Bevölkerung integriert worden und werden bis heute gepflegt. Die jährlichen kulturellen Höhepunkte sind neben den kirchlichen Festtagen der Alpauf- und Alpabzug. Bis ins beginnende 18. Jahrhundert beherrschten tiefe Religiosität und Aberglaube die Bevölkerung. Wie auch in anderen Gebieten der Schweiz und insbesondere des Wallis kam es im Lötschental zu Hexenverfolgungen.

Die Erinnerung an Geschehnisse und Mythen der Vergangenheit wurde im kollektiven Gedächtnis der Talschaft durch einen umfangreichen, meist mündlich überlieferten, Sagenschatz zum Teil bis in die heutige Zeit erhalten. Diese Sagen dienten früher vorwiegend zur Unterhaltung und zur Erziehung der Kinder in die soziale Gemeinschaft des Tals.

Die im Lötschental typischen Tschäggätta-Verkleidungen mit den zugehörigen Larven werden zur Fastnachtszeit zwischen Mariä Lichtmess am 2. Februar und Aschermittwoch traditionell nur von ledigen jungen Männern getragen. Die Tschäggätta-Verkleidung besteht aus Tierfellen (meist Schaf- oder Ziegenfelle), die den ganzen Körper verhüllen, der überlebensgrossen, vor dem Gesicht getragenen, handgeschnitzten und bemalten Larven (Maske), mit speziellen, handgemachten Woll-(Garn-)handschuhen (auch Triämhändschn genannt) und einem langen Stock, der mit Glocken oder lärmenden Gegenständen bestückt ist.

In diesem Aufzug überfallen die Jugendlichen der vier Orte die jeweils angrenzenden Dörfer. Sie lärmen, erschrecken die Bewohner und schwärzen die Gesichter von Kindern mit Russ (in Bezugnahme auf das christliche Aschekreuz am Aschermittwoch). In früheren Jahrhunderten soll es dabei auch zu Handgreiflichkeiten und Übergriffen gekommen sein, so dass immer wieder von Seiten der Herrschaft gegen das oft mehrere Tage dauernde Treiben vorgegangen wurde. Heute wird der Tradition gesitteter in Form von Umzügen Genüge getan, der grösste findet jeden Fastnachtssamstag in Wiler statt.

Der heidnisch-alemannische Brauch der Tschäggätta (verwandt mit Riten der alemannischen Fastnacht) wurde im Mittelalter mit den katholischen Bräuchen der Fasnacht und des Aschermittwochs vermischt und hat seither seinen festen Platz im Lötschentaler Brauchtum. Ebenso besteht die Vermutung, dass die wilden Gestalten an die Überfälle der Schurten auf die ersten alemannischen Siedler erinnern sollen.


Die Herrgottsgrenadiere sind traditionelle Festverkleidungen, die von jungen Männern der eingesessenen Familien getragen werden. Bei kirchlichen und weltlichen Festen werden die Paradeuniformen der Grenadiere, die meist innerhalb der Familien weitervererbt werden, angezogen. Damit wird an die Lötscher erinnert, die aus dem Tal auszogen um als Söldner tätig zu werden. Kehrten sie nach ihrer Dienstzeit wieder in ihre Heimat zurück, trugen viele zu besonderen Anlässen die Paradeuniform ihrer einstigen Einheit. Daraus ergab sich eine bunte Vielfalt an Uniformen, da die Söldner in unterschiedlichen Armeen dienten. Nach ihrem Tod vermachten sie ihre Uniform ihren Söhnen, die sie an ihrer Statt weiter trugen und damit die Tradition begründeten.

Heute tragen die Herrgottsgrenadiere ähnlich den Gardevereinen bei kirchlichen Prozessionen und weltlichen Festen einheitliche Uniformen. Ausser bei kirchlichen Anlässen marschieren sie mit Fantasiefahnen und zu Blasmusik. Die heute einheitliche Uniform ist nach Mustern des 17. Jahrhunderts gestaltet.

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