Siehe auch: Fauna und Flora der Alpen
Die Flora des Lötschentals lässt sich in Vegetationsstufen gemäss der penninischen Höhenstufenfolge unterteilen. Diese ist bestimmt vom kontinental trockenen Klima der Westalpen. Das Lötschental wird geprägt von staudenbewachsenen Felsschuttfluren, alpinem Rasen, subalpinem Nadelgehölz und Zwergstrauchgesellschaften. Einen grossen Raum nehmen die Hochgebirgswälder ein. Sie setzen sich grösstenteils aus Lärchen und Fichten zusammen.
In der montanen Stufe bis etwa 1500 Meter, also der Talsohle bis etwa Wiler, überwiegen Grün- und Ackerflächen. Die Waldflächen machen rund 40 Prozent der Fläche aus, es dominiert der Nadelwald. An den auslaufenden Lawinenbahnen und Bachrinnen bestehen in deren Schwemmgebieten Hochstaudenfluren, ausserdem wachsen hier die Pionierpflanze Grünerle sowie andere Kleinsträucher.
In der unteren subalpinen Stufe bis 1800 Meter liegen ausgedehnte Nadelwälder, vorwiegend bewachsen mit Fichten und Föhren, die rund die Hälfte der Fläche einnehmen. Während der südliche Schatthang durchgehend bewaldet ist, bestehen am nördlichen Sonnhang nur Bannwaldgebiete oberhalb der Ortschaften. Die Flächen des Tals und des Sonnhangs werden weitgehend landwirtschaftlich genutzt.
Im oberen Teil der subalpinen Stufe bis 2200 Meter geht der Wald zunehmend zurück, bis die natürliche Baumgrenze bei etwa 2200 Metern erreicht ist. Die reale Baumgrenze ist allerdings an der Nordflanke zu Gunsten der Alpweiden grösstenteils auf 2000 Meter gesenkt worden. In diesem Gebiet wachsen Zwergsträucher und alpiner Rasen, Hochstaudenflur beherrscht das Bild. In ihr liegen die meisten Alpen des Tals und deren Weideflächen. An der Südflanke bilden Lärchen-Arvenwälder bei rund 2200 Meter die Grenze der Bewaldung.
In der alpinen Stufe bis 2500 Meter nehmen die unbewachsenen Flächen zu, Felsschuttfluren und Felsen dominieren das Bild. Es herrscht eine Schneetälchenvegetation vor. Hier wachsen kleinere Sträucher, Matten und alpiner Rasen, vorwiegend Borstgras. In höheren Lagen existieren Moose und Flechten. Zwischen 2500 und 3000 Metern ist die Vegetationsgrenze erreicht.
Die Fauna des Lötschentals deckt sich weitgehend mit derjenigen des übrigen Wallis. An Säugetieren sind insbesondere Alpensteinbock, Gämsen, Hirsche, Schneemaus und Murmeltiere anzutreffen. Ausserdem leben dort Alpenschneehuhn, Alpensteinhuhn und Birkhuhn. In den weitgehend naturbelassenen alpinen Flächen finden sie einen ungestörten Lebensraum.
Der in Mitteleuropa seltene Steinadler ist im Lötschental heimisch. Ebenso ist der im 20. Jahrhundert im Wallis als ausgerottet geltende Luchs in das Lötschental zurückgekehrt, auch der Wolf soll nach Plänen des Bundesamtes für Umwelt dort wieder heimisch werden. Gegen die geplante Wiederansiedlung von Wolfsrudeln im Oberwallis im Rahmen des "Wolf-Projekt Schweiz" gibt es vor allem unter den Schafwirten des Tals grosse Vorbehalte. In der Nutztierhaltung des Lötschentals dominiert die Schaf- und Rinderhaltung.
Im Lötschental befinden sich vier eigenständige Gemeinden. Ihre Zentren liegen allesamt im Bereich der Talsohle des oberen Lötschentals, im schroffen unteren Drittel des Tals befinden sich lediglich kleinere Siedlungsplätze. Das untere Taldrittel gehört teilweise zu den Gemeindegebieten von Gampel und Hohtenn.
Ferden auf 1375 Metern ist die erste Gemeinde zu Beginn des sich öffnenden Tals. Ihm folgen der Hauptort Kippel und Wiler, die nur wenige hundert Meter trennen. Alle drei Gemeinden schliessen sich an das nördliche Ufer der Lonza an. Im oberen Teil des Tales befindet sich Blatten.
Bis zum Bau des 6,2 Kilometer langen Mittal-Tunnels als Ersatz für die Zufahrtsstrasse durch das enge Lonzatal war das Lötschental vor allem im Winter immer wieder durch Geröll- und Lawinenabgänge für einige Tage von der Aussenwelt abgeschnitten.
Siehe auch: Ferden
Ferden liegt am Fusse des Nordhangs des Hohgleifen, am nördlichen Ufer des Lonza-Stausees. Es wurde erstmals 1380 als Verdan urkundlich erwähnt. Die 342 Einwohner (Stand 2007) des Ortes verteilen sich auf den Hauptort, den Weiler Goppenstein sowie drei bewirtschaftete Alpen. Ferner gehört der heute unbewohnte Weiler Mittal zum Gemeindegebiet. Nach Blatten ist Ferden die flächenmässig zweitgrösste Gemeinde des Tals. Einst bestand Ferden aus einer Ansammlung von Höfen, die sich im Laufe der Jahrhunderte um den heutigen Ortskern sammelten. Daher erhielt der Ort seine noch bestehende Haufendorfstruktur. Im Jahr 1956 löste sich Ferden vom Lötschentaler Hauptort Kippel und ist seither eine eigenständige Gemeinde.
Zu Ferden gehören drei Alpen nördlich und westlich des Ortes. Oberhalb von Goppenstein liegt auf 2037 Metern die Faldumalp, einige Kilometer nördlich die Restialp (2'098 m ü. M.). Im weiten Taleinschnitt des Färdanbaches, der in seinem Namen eine alte Schreibweise des Ortes Ferden trägt und westlich davon in den Lonzastausee mündet, befindet sich die Kummenalp (2'086 m ü. M.). Alle drei Alpen sind im Sommer bewirtschaftet. Heute werden die traditionellen Hütten vorwiegend von Einheimischen als Ferienhäuser genutzt, Vieh und Almwirtschaft nur noch vereinzelt gewerbsmässig betrieben. Obwohl die Alpen entlang des Lötschentaler Höhenweges liegen und für Wandertouristen gut erschlossen sind, bestehen hier nur vereinzelt Übernachtungsmöglichkeiten.
Die Staumauer bei Ferden staut die Lonza in einer Länge von rund zwei Kilometern auf. Sie stammt aus dem Jahr 1975 und ist als 67 Meter hohe Bogenstaumauer mit einer Breite der Krone von 126 Metern ausgeführt; 34'000 Kubikmeter Beton wurden für die Staumauer verbaut. Der See hat ein Volumen von 1'890'000 Kubikmetern, wobei der Wasserstand je nach Schmelzwassermenge stark variieren kann.
Südlicher im engen Tal der Lonza liegt auf 1216 Meter Goppenstein. Es beherbergt den Bahnhof der Lötschberglinie, die von der BLS AG betrieben wird. Neben dem Bahnhof bestehen umfassende Anlagen zur Verladung von Autos und Lastkraftwagen zum Bahntransfer durch den Lötschbergtunnel, dessen Südportal sich unmittelbar im Ort befindet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten während der Bauarbeiten für den Eisenbahntunnel weit über dreitausend Arbeiter in dem kleinen Ort, der für wenige Jahre zu einer der grössten Ansiedlungen des Wallis wurde. Heute leben nur wenige Menschen in dem stark verkehrsbelasteten Weiler.
Das heute nicht mehr bewohnte Mittal ist ein kleiner Weiler an der alten Talstrasse südlich von Goppenstein. Im 19. Jahrhundert bestanden hier einige Minen, in denen Arbeiter aus dem Tal tätig waren. Seit der Mitte des Jahrhunderts bestand zum Abtransport der Minenerzeugnisse ein Karrenweg ins Rhonetal.
Siehe auch: Kippel
Kippel (1'376 m ü. M.) ist der traditionelle Hauptort des Lötschentals. Die Geschichte der Pfarrei geht bis in das Jahr 1233 zurück. Bis ins späte 19. Jahrhundert war sie die einzige im Lötschental und somit das geistliche Zentrum der vier Dörfer. Heute leben in Kippel 383 Menschen (Stand 2007). Seit 1960 besteht in Kippel die einzige Schule des Tales, 1982 wurde im Ort das Lötschentaler Museum eingerichtet. Im Jahr 1923 zerstörte eine Lawine grosse Teile von Kippel, die zum Teil beschädigte Pfarrkirche aus dem Jahr 1742 wurde erst 1977 wieder in ihren Originalzustand versetzt. Neben traditionellen Walliser Blockbauten prägen einige Hotels der Jahrhundertwende den Ort.
Zu Kippel gehört die nördlich auf 2048 Metern liegende Hockenalp, die seit den 1950er Jahren mit einem Skilift zu erreichen war. Ende der 1970er Jahre wurde der Lift stillgelegt, nachdem die Luftseilbahn zur Lauchernalp im Nachbarort Wiler den Betrieb aufnahm.
Siehe auch: Wiler (Lötschen)
Wiler (1'419 m ü. M.) ist mit 538 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Tals. Der zu grossen Teilen noch aus traditionell Walliser Bausubstanz bestehende Ort wurde am 17. Juni des Jahres 1900 von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht, bei der grosse Teile des Dorfes vernichtet wurden. Seither wird dieser Tag als Roter Segensonntag bezeichnet.
Zu Wiler gehört die touristisch am besten erschlossene Alp des Tals, die Lauchernalp. Sie ist über die einzige Luftseilbahn des Lötschentals erreichbar und ist der Ausgangspunkt vieler Wanderrouten.
Siehe auch: Blatten (Lötschen)
Blatten (1'540 m ü. M.) ist die oberste und flächenmässig grösste Gemeinde des Lötschentals. 1898 löste sich Blatten als erster Talort von Kippel und ist seither eine eigenständige Gemeinde. In dem 1433 erstmals als uffen der Blattun erwähnten Ort leben heute 311 Menschen (Stand 2007). Der unbewohnte Weiler Kühmatt, in dem sich seit 1654 eine barocke Wallfahrtskapelle befindet, liegt östlich des Hauptorts. Weissenried (1'706 m ü. M.) am nördlichen Berghang, Eisten und Ried, in dem 1868 das erste Hotel des Tales errichtet wurde, gehören ebenfalls zu Blatten.
Östlich von Blatten liegen die Fafler-, die Gletscher- und die Guggialp. Die Talstrasse reicht seit 1972 bis zur Fafleralp, die einen wesentlichen touristischen Anziehungspunkt und Ausgangsort für Wanderungen zum Anengletscher bildet. Nördlich von Blatten liegen die Weritz- und die Tellialp, unweit derer sich auf 1860 Metern Höhe der Schwarzsee befindet.
Im Lötschental bestehen zahlreiche, den Gemeinden zugeordnete Alpen. Zu Ferden gehören die Faldum-, die Resti- und die Kummenalp. Die Hockenalp hat in Kippel ihren Talort, die Lauchern ist Teil der Gemeinde Wiler. Die Weritz-, Telli-, Fafler-, Gletscher- und Guggialp liegen auf Blattener Gebiet.
Alle grösseren Alpen verfügen über mindestens ein im Sommer bewirtschaftetes Gasthaus und eine eigene Bergkapelle, in denen in regelmässigen Abständen die Pfarrer der Talpfarreien Gottesdienste abhalten. Die meisten Alphütten werden heute als Ferienhäuser für Einheimische, aber auch Talfremde, genutzt.
Die Almbewirtschaftung in den Sommermonaten war für die Talbevölkerung bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhundert ein wesentlicher Bestandteil des Lebensunterhalts und bestimmte massgeblich deren Arbeits- und Lebensgewohnheiten. Ab der Mitte des Jahrhunderts gewannen sie zunehmend als Touristenherbergen und Sehenswürdigkeiten an Wert, Haupterwerbs-Alpwirtschaft wird kaum mehr betrieben.
In den 1950er Jahren richtete der Schweizer Pfadfinderbund ein Sommerlager auf der Faldumalp ein, zur selben Zeit wurde ein erster Schlepplift für den Wintersport zur Hockenalp errichtet. In den 1970er Jahren begann der Ausbau der Lauchernalp zum Wintersportzentrum des Tals, hierzu wurde 1972 die Luftseilbahn Wiler-Lauchernalp in Betrieb genommen.
Einen touristischen Anziehungspunkt bildet die Fafleralp, die einzige seit 1972 mit dem Auto und dem Postauto auf öffentlichen Strassen erreichbare Alp des Tales. Ihre Lage am oberen Ende das Lötschentals zu Füssen des Anengletschers lockt zahlreiche Tagesgäste an. Auf der Alp besteht neben einem Hotel und mehreren Gaststätten auch ein Campingplatz.
Die Lauchernalp und die Kummenalp liegen auf dem historischen Aufstiegsweg zum Lötschepass und besitzen eine lange Tradition als Herbergen und Gastlager. Gleiches gilt für die Restialp unterhalb des Restipasses, der nach Leukerbad führt.
Siehe auch: Lötschepass
Der Lötschepass ist ein Alpenübergang über den Kamm der Berner Alpen, der das Lötschen- mit dem Kandertal verbindet. Die Passhöhe liegt auf 2'690 m ü. M., rund fünf Kilometer nördlich von Ferden. Der traditionelle Aufstiegsweg verläuft, im Sommer, von Süden kommend, durch das untere Lötschental über Goppenstein nach Wiler, der Lonza folgend. In Wiler beginnt der wesentliche Aufstieg zunächst zur Lauchernalp, dann zur Lötschepasshütte und zur Passhöhe. Abgestiegen wird über Selden ins Kandertal, dann der Kander folgend über Kandersteg ins Berner Oberland. Im Winter ist der Lötschepass mit der Gondelbahn via Hockenhorngrad erreichbar. Ab Mitte Januar ist die Lötschepasshütte durchgehend bewartet.
Schon zu prähistorischer Zeit begingen Menschen den Pass, wie Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegen. Seit der Römerzeit bis ins Mittelalter galt der Lötschepass neben dem Gemmipass als wichtigste Verbindung zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis. Als Handelsweg hatte er vor allem als Verlängerung der aus Oberitalien kommenden Simplonroute in die Nordschweiz eine grosse Bedeutung. Die Reisenden und Händler verschafften den an der Aufstiegsroute gelegenen Orten bescheidenen Wohlstand.
Im Jahr 1519 wurde die erste Hütte an der Passhöhe des Saumpfades errichtet. Im 17. Jahrhundert begannen Berner mit dem Bau einer Strasse über den Pass. Religiöse Konflikte zwischen Bernern und Wallisern führten allerdings zu einem Zerwürfnis und bedeuteten das Ende der Baumassnahmen. Überreste der teilweise fertiggestellten Strasse sind an der Nordseite des Passes zu erkennen. In der Folgezeit verlor der nur zu Fuss begehbare Alpenübergang zunehmend an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert richtete die Schweizer Armee einen Wachposten an der Passhöhe ein, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer neuen Passhütte umfunktioniert und schrittweise ausgebaut wurde.