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Der Geistliche

Nach seiner Rückkehr aus Neuseeland 1869 nahm Monrad rasch wieder seine geistige Tätigkeit auf. Im Juli wurde er Pfarrer in Brøndby, und ab Februar 1871 Bischof in seinem alten Stift Lolland-Falster.

Gleichsam nahm er wieder seine publizistisch-politische Tätigkeit auf. Im Dezember 1869 hielt er zwei Vorlesungen die er „politische Träumereien“ nannte. Dort entwickelte er die Alternative: Entweder Verteidigung auf Leben und Tod, oder Entwaffnung und Verwandlung Dänemarks in ein „monarchisches Hamburg“

Von Zeit zu Zeit gab er seine „Politischen Briefe“ heraus, von denen viele an seine beste frühere Zeit erinnerten. Lange versuchte er vergeblich, wieder in den Reichstag zu kommen, und erst 1881 gelang es ihm, in Middelfart gewählt zu werden. Aber das Folketing war nicht mehr das, was er vor 16 Jahren kannte. Es gab eine neue Generation mit anderen Grundanschauungen und Sichtweisen, und auch an Monrad selbst waren die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen.

Monrad gelang es nicht, im damaligen dänischen Verfassungskampf mit dessen notorischen „Provisorien“ zwischen den verhärteten ideologischen Fronten zu vermitteln. Er bewegte sich politisch von der Højre zur Venstre. 1886 zog er sich dann ganz aus der Politik zurück. Er verbrachte seinen Lebensabend in Nykøbing, wo er sich seinen Studien widmete. Dort führte er ein glückliches Familienleben mit seiner zweiten Ehefrau Emmy.

Am 28. März 1887 fand man Ditlev Gothard Monrad friedlich eingeschlafen in seinem Arbeitsstuhl. Seine Witwe starb 1894.

1859 erhielt er das Kommandeurskreuz des Danebrogordens, 1864 das Großkreuz.

1846–71 war D.G. Monrad mehrfach Gemeindepfarrer. 1849–54 und 1871–87 war er Bischof von Lolland und Falster.

Als Theologe unterschied sich sein Liberalismus in kirchenpolitischer Hinsicht ebenso von Grundtvigs Freiheitsidealen wie vom Konservatismus von Mynster und Martensen. Monrad zeichnete sich durch ein tolerantes Verständnis der verschiedenen kirchlichen Richtungen aus.

Eine von Monrads ersten kirchlichen Publikationen war ein poetischer „Gruß an Schleiermacher“ (Hilsen til Schleiermacher), der zur gleichen Gelegenheit erschien wie Martensens deutsches Gedicht.

Nach seinem theologischen Examen 1836 widmete er sich erst der Semitistik und dann der Politik. Nach seinem Abschied als Minister wurde er 1849 in verhältnismäßig jungem Alter Bischof von Lolland-Falster. In einer Rezension für das Liederbuch des Konvents von Roskilde 1852 formulierte er seinen Wunsch, dass dort mehr ältere Kirchenlieder aufgenommen werden. Um zu zeigen, wie er das meinte, gab er 1854 einen Vorschlag zum „Evangelisch-christlichen Liederbuch“ (Evangelisk-kristelig Salmebog) heraus, in dessem Vorwort er es als eine Scham für die Kirche bezeichnete, dass sie nicht besser verstand, die göttlichen Gaben zu nutzen, die in den Kirchenliedern von Kingo, Brorson und Grundtvig zu finden seien.

Bevor dieser Vorschlag heraus kam, wurde er von seinem Bischofsstuhl verabschiedet, und er wendete sich wieder der Politik zu. Nach seinem Rücktritt als Premierminister 1864 wendete er sich wieder seinen semitischen Sprachstudien zu. Er begann schon früher eine Übersetzung des alttestamentlichen Buchs der Psalmen. Jetzt gab er zunächst „Profeten Esaias“ (1865, über den Propheten Jesaja) und kurz darauf „Job og Salmerne“ (Hiob und die Psalme) heraus. Aber mit seiner Auswanderung nach Neuseeland wurden Monrads alttestamentliche Studien und theologische Produktion unterbrochen. Obwohl er nicht als Geistlicher nach Neuseeland kam, ist er auch dort als Bishop Monrad ein Begriff.

Nach seiner Rückkehr wurde er zunächst Gemeindepfarrer in Brøndby und 1871 wieder Bischof von Lolland-Falster. Er überraschte im gleichen Jahr mit seinem Predigtenbuch „Prædikener paa alle Søn- og Helligdagene i Aaret samt i Fasten“, das er in Dankbarkeit seiner vorherigen Gemeinde in Brøndby widmete.

Im zeitgenössischen Dansk Biografisk Leksikon schreibt sein Biograf Frederik Nielsen: „Eine bedeutendere Predigtensammlung ist kaum jemals aus irgendeiner dänischen Gemeinde hervorgegangen. Wer mit den Kunstregeln der Homiletik vertraut ist, wird vielleicht oft versucht sein, diese Predigten formlos zu nennen, aber keiner wird bestreiten können, dass hier neue und aufbauende Gedanken einen schönen Ausdruck bekommen haben, und dass die Schönheit ganz in den Dienst der Wahrheit getreten ist. Da sind Leben und Gedankenflug in diesen Predigten, aber sie sind zugleich von einer eigenen Würde geprägt, die nie gekünstelt erscheint. Der Prediger kommt, wie seiner eigenen Aussage nach das Kirchenjahr selbst, ‚auf zurückhaltende Weise‘, und er erheischt keine Aufmerksamkeit mit polternden Redewendungen oder poetischen Wendungen, sondern mit einer klaren und überzeugenden Rede, die eine tiefgehende Menschenkenntnis und große Lebenserfahrung verrät. Wenn diese Predigten gehalten werden, bekommen die Worte ein eigenes Gewicht mit der zerfurchten Stirn und den tiefen durchdringenden Augen, die die Zuhörer schnell die etwas lispelnde Stimme vergessen ließen.“.

Nach seinem Tod wurde die Predigtensammlung 1887 noch mit dem kleinen Zusatzband „Ordinationstaler og Prædikener“ ergänzt und gehörte seinerzeit zu den meist gelesenen Andachtsbüchern in Dänemark. Eine andere bedeutende Schrift war „Fra Bønnens Verden“ (Von der Welt des Gebets) 1876, von dem sein Biograf meinte, es sei auf dem Wege, eines der wertvollsten internationalen und interkonfessionellen Erbauungsbücher zu werden. Monrad selbst galt als jemand, der sehr viel Gewicht auf das Gebet in guten und in schlechten Zeiten legte. Es soll der innere Nerv seiner Religiosität gewesen sein, und er war überzeugt davon, dass seine Erfahrung von der Kraft und dem Segen des Gebets allgemeingültig werden könne. Für ihn stand der Grundsatz der Vergebung, wie er im Vaterunser vorkommt, im Vordergrund. Monrad selbst hat erfahren, was der Hass von anderen Menschen ausrichten kann, und wie schwer einem zerbrechlichen Menschen die Vergebung fallen kann.

Monrad hatte auch reichhaltige Gelegenheit, seine religiösen Hauptgedanken in der Polemik gegenüber anderen Standpunkten zu entwickeln. Als Georg Brandes anfing, religiöse und moralische Probleme zu debattieren, reagierte Monrad in der Zeitung Fædrelandet mit einigen Artikeln über „den freien Gedanken und Dr. Brandes' Vorlesungen“. Seine Haltung zur grundtvigschen Richtung beschrieb er in den zwei kleineren Abhandlungen „Nogle Bemærkninger vedrørende Trosbekjendelsen“ (1873: „Einige Anmerkungen zum Glaubensbekenntnis“) und „Om Slaget ved Katekismen“ (1874: „Über die Schlacht mit dem Katechismus“) und der Einleitung zur Materialsammlung „Et Bidrag til den apostolske Trosbekjendelses Historie“ (1885-86: „Ein Beitrag zur Geschichte des apostolischen Glaubensbekenntnisses“), die zeigt, wie umfassend seine Studien im Gebiet der Symbolforschung gewesen sein müssen.

Ebenfalls veranlasste ihn Grundtvig zu dem Buch über Lorenzo Valla und das Konzil von Basel/Ferrara/Florenz „Den første Kamp om den apostolske Trosbekjendelses Oprindelse“ (1874: „Der erste Kampf um die Herkunft des apostolischen Glaubensbekenntnisses“). Einer seiner Höhepunkte als kirchlicher Polemiker war sein „Liberalismens Gjenmæle til Biskop Martensens sociale Ethik“ (1878: „Gegenrede des Liberalismus zu Bischof Martensens sozialer Ethik“). In dieser Apologetik seiner eigenen ethischen und politischen Grundauffassungen richtete er einen offenen und sicheren Angriff auf die schwachen Punkte in Martensens Konservatismus und christlichen Sozialismus. Diese Schrift ist ein Zeugnis dafür, wie sich bei Monrad politische und religiöse Fäden verflechten.

Anlässlich der 400-Jahrfeier der Universität Kopenhagen 1879 wurde D. G. Monrad die theologische Ehrendoktorwürde verliehen.

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