Bereits im Mittelalter, vermutlich nach dem Ende der Dernbacher Fehde 1333/1336, wurde das große Mutterkirchspiel Gladenbach geteilt. Nach dem Abschluss der Feindseligkeiten hatte sich die Landgrafschaft Hessen in diesem Raum endgültig durchgesetzt. Die Grenzen zwischen dem hessischen Amt Blankenstein und der Grafschaft Nassau-Dillenburg wurden danach endgültig festlegt. Es entstanden zwei Kirchspiele, eines für den Gerichtsbezirk „Untergericht“ des Amtes Blankenstein mit der alten Taufkirche des oberen Salzbödetales, der Martinskirche in Gladenbach, und ein neues Kirchspiel für das „Obergericht“ mit der Mutterkirche in Hartenrod. Der erste Pfarrer, der bei seinem Tod 1367 in Hartenrod genannt wird, war Peter von Buchenau. Das Patronatsrecht stand den Grafen von Nassau zu.
Zur Pfarrei Hartenrod gehörten ehemals Bottenhorn, Dernbach, Hülshof, Wommelshausen mit dem Ortsteil Hütte, Endbach, Schlierbach und Hartenrod selbst. Die bis zur Reformation selbständige und von Hartenrod getrennte Pfarrei Günterod wurde erst 1526 pfarramtlich mit Hartenrod verbunden. Bis zur Reformation gehörte das Kirchspiel Hartenrod zum Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan in Mainz. Günterod, als ehemaliger Bestandteil der Grafschaft Solms, war nach Altenkirchen eingepfarrt, das zum Archidiakonat Dietkirchen/Lahn im Erzbistum Trier gehörte.
Neben Gladenbach erhielt Hartenrod dadurch über Jahrhunderte hinweg eine zentrale, regionale Bedeutung und war damals die bedeutendste Siedlung im Obergericht.
Im Jahre 1455 wurde in Hartenrod eine neue Kirche gebaut. Warum und was mit dem Vorgängerbau geschah, ist unbekannt. Die neue, als auch die alte Kirche sollen dem heiligen Christophorus geweiht gewesen sein. 1526 wurde die Reformation eingeführt. Zwei Jahre später bekam Hartenrod mit Johannes Faber den ersten evangelischen Pfarrer. Für die wachsende Zahl der Kirchenbesucher erwies sich die Kirche im Verlaufe der Zeit jedoch als zu klein. Aus diesem Grund und wegen Baufälligkeit riss man dieses bedeutende Gotteshaus 1845 ab. 1858 wurde die heutige neue evangelische Kirche in Hartenrod eingeweiht. Sie ist eine weiträumige Saalkirche mit hohem Westturm.
Alle Toten aus dem Kirchspiel mussten früher auf dem Kirchhof in unmittelbarer Nähe der Hartenroder Kirche beerdigt werden. Erst nachdem die politischen Gemeinden Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhundert eigene Friedhöfe angelegt hatten, wurde diese Regelung aufgegeben. Ungetaufte bzw. noch nicht konfirmierte Kinder wurden bis dahin auch außen an den Mauern der Filialkirchen/Kapellen beerdigt, und zwar auf den Traufseiten. Der Konfirmandenunterricht wurde ehemals für alle Konfirmanden zentral in Hartenrod gehalten. Damit hatten die Kinder der Filialorte oft lange und beschwerliche Wege, besonders im Winter, zurückzulegen.
Bottenhorn wurde 1848 ein selbständiger Pfarrbezirk, u. a. auch des weiten Kirchenweges (ca. 4,7 km) wegen, gehörte aber weiterhin zum Kirchspiel Hartenrod. Hülshof und Dernbach kamen erst 1934 pfarramtlich zu Bottenhorn. Im Jahre 1929 wurde auch Günterod wieder selbständig und zusammen mit Endbach zu einer Pfarrei erhoben. Danach gehörten zur Pfarrei Hartenrod nur noch die Orte Wommelshausen mit Hütte, Schlierbach und Hartenrod. Seit 1968 bilden Günterod und Bischoffen einen neuen Pfarrbezirk. Die Kirchengemeinden Wommelshausen und Endbach wurden 1969 ebenfalls zu einem eigenen Pfarrbezirk vereinigt. Seitdem umfasst das Kirchspiel Hartenrod nur noch die Orte Hartenrod und Schlierbach.
Alle Filialgemeinden mit Ausnahme von Hülshof hatten ehemals eigene Kirchen/Kapellen. Die Bauwerke in Schlierbach und Dernbach wurden durch Kriegsereignisse und/oder Armut der Gemeinden baufällig, abgebrochen und nicht wieder aufgebaut. Dafür stehen in Wommelshausen seit 1965 zwei evangelische Kirchenbauwerke, und zwar die weit über 800 Jahre alte ehemalige Marien-Kapelle und die neue Kirche mit ihrem eigenwilligen ei-förmigen Grundriss. Nur in Günterod und Wommelshausen blieben die hochmittelalterlichen Kirchenbauwerke in ihrer ursprünglichen Form nahezu unverändert erhalten; in allen anderen Ortsteilen einschließlich Dernbach stehen Neubauten aus dem 19. bzw. 20 Jahrhundert.
Im Kirchspiel Hartenrod wurde von den Frauen einheitlich ehemals die sehr alte, eigentümliche schwarze „Dell-Mutsche-Tracht“ getragen. Sie ist Mitte des vorigen Jahrhunderts ausgestorben.